Sonntag, 28. Februar 2010

Samstag 27.2.2010


Samstags ist eine ganz andere Atmosphäre in Winnenden. Als ich über den wunderschönen Markt gehe, höre ich lebhafte Gespräche zwischen den Menschen und sehe entspannte Gesichter. Es offenbart sich ein ganz anderes Lebensgefühl als unter der Woche. Im Atelier angekommen, klappe ich erst mal die Fenster auf und öffne meine Tür weit. Menschen strömen auf den Markt und Gesprächsfetzen ziehen vorbei. Zuerst widme ich mich den Fotos von Donnerstag und als ich sie in Tüten verpacke fällt mir auf, dass das Verpacken in die Tüten alle Bilder etwas angleicht. Meine Sorge, wegen der besonders farbigen Fotos vom Donnerstag war völlig unbegründet. So hängen sie jetzt mit den anderen am "Gedankenblatt" und integrieren sich mühelos. Ich hänge schon Bilder auf die andere Seite, aber während ich die Installation betrachte, merke ich, dass ich bestimmt nicht zum 6.3. fertig werde. Es fehlen noch Fotografien. Ich nehme mir vor die Aktion von meinem normalen Atelierplatz noch bis zum Mai weiterlaufen zu lassen. Jetzt stehe ich vor der Staffelei, draußen reden zwei Frauen mit Einkaufskörben und schauen immer wieder herein. Mein rotes Blättergewirr überarbeite ich noch im Hintergrund und stelle es zur Seite. Ich arbeite intensiv, mische Farbe für mein nächstes Bild, da bekomme ich tatsächlich heute noch Besuch. Wie schön, ich arbeite und unterhalte mich. Sie ist eine Kollegin und berichtet von ihren Erfahrungen mit der Arbeit im Atelier.

Freitag, 26. Februar 2010

Donnerstag, 25.2.2010


"So ein wunderschöner Tag", denke ich als ich durch den Krämermarkt zum Atelier gehe. Sogar die ersten Tische stehen vor einem Café. Eine Mutter sitzt mit ihrem Kleinkind genüsslich in der Sonne und trinkt einen Capuccino. Im KunstMobil angekommen geht es nachmittags so weiter. Ein Besucher reiht sich an den anderen. Die Tür lasse ich eine kleine Zeit lang offen stehen, nur damit etwas frische Luft herein weht. Innen riecht es stark nach Ölfarbe. Die Menschen sind heute neugieriger und kommen einfach herein. Eine Besucherin betritt ganz hektisch den Raum und drückt mir zwei Fotos für die Installation in die Hand. Sie murmelt was von einer nicht aufgestellten Parkscheibe und Strafzettel und schon ist sie wieder draußen. Als ich mir die Fotos genauer ansehe, stelle ich fest, dass sie eigentlich viel zu bunt und schrill sind. Zuerst denke ich sogar, dass die Frau sie aus einem Werbeprospekt ausgeschnitten hat. Wie kann ich das wohl integrieren? Aber als ich genauer schaue stelle ich fest, dass die Bilder mit einem schlechten Tintenstrahldrucker ausgedruckt wurden. Als ich das Projekt plante, habe ich mir vorgenommen nicht zu werten .Vielleicht ist der Eindruck von Natur für diese Besucherin genauso schrill und werbemäßig. Ich kann sie ja jetzt nicht mehr fragen, sie hat keinen Namen hinterlassen. Die Fotos lege ich in meinen Sammelkasten und beschließe sie am Samstag zu befestigen. Später kommt ein junger Mann mit einer Plastiktüte im Arm herein. Im Gespräch wird schnell klar, dass er zurzeit in der Klinik ist. Er möchte mir etwas malen. Ich lasse ihn an meinen roten Tisch am Fenster und schenkt mir dafür nach ungefähr 10 Minuten eine Zeichnung. Er hat sie signiert und erzählt, dass er auch Künstler ist. Wenig später ist er schon draußen, mit seiner lauten Rockmusik in den Kopfhörern und ich sehe wie er sich vor dem Schaufenster nochmal umdreht und ins Fenster starrt.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Mittwoch, 24.2.2010

Heute beginne ich ein sehr ausführliches Gespräch mit einer Besucherin. Freundlich lächelnd betritt sie den Raum und hat mir auch ein Foto gebracht. Darauf ist ihre Katze, nebst einem Terracotta-Kopf im Garten zu sehen. Bald ist klar, dass für sie ihr Garten das wichtige Naturerlebnis ist. Garten als Kulturlandschaft, als Erholungsraum, als Beobachtungsstation. Viele kleine Begebenheiten beim Pflanzen, Hegen und Beschneiden sind ihr wichtig. Auch berichtet sie von ihren zwei Katzen und im Gespräch höre ich einmal: " Menschen sind so schwierig.", dabei scheint sie kein schwieriger Mensch zu sein. Auf jeden Fall scheinen ihr Fauna und Flora mehr zu geben als die Mitmenschen. Die Natur bezeichnet sie als ihren Ruhepol und Rückszugspunkt. Die Natur als Wellness-Angebot, das ist mir persönlich zu wenig und als sie weiter geht, bleibe ich etwas ratlos zurück.

Montag, 22. Februar 2010

Montag, 22.2.2010


Regenwetter! Alle Leute stecken heute Morgen unter Schirmen. Im Raum ist es entsprechend dunkel und ich bin froh über die gute Beleuchtung. Eine Stunde lang arbeite ich vor mich hin und Menschen unter Schirmen hasten am Fenster vorbei. Die Blicke wandern nicht mehr so oft herein wie zu Beginn vor zwei Wochen. Scheinbar hat sich Winnenden jetzt an mich gewöhnt. Die Tür geht auf und eine Beinsteiner Bekannte betritt das "KunstMobil". Sie bringt ein Foto mit, auf dem ein griechisches Kloster direkt aus der Spitze eines Gebirges wächst. Später kommt noch ein Waiblinger Paar vorbei. Sie bringen drei Fotos von Wanderungen mit. Sehr stimmungsvolle Bilder von Baum, Gebirgsspitze mit Wanderern im Gegenlicht und einer Schafherde auf der Schwäbischen Alb. Wir unterhalten uns über den Naturbegriff und die verschiedenen Blickwinkel der Menschen. Malerisch geht es bei mir heute eher karg zu. Eine Leinwand untermale ich, eine "fertiggestellte?" Leinwand stelle ich auf der Staffelei in den Galerieteil des Raums zum Schauen und eine andere muss trocknen, vielleicht ist sie ja am Mittwoch schon übermalbar. Mit Pinsel ziehe ich noch Linien und Strukturen auf Papier, das ist anstrengend, ich muss mich sehr konzentrieren. Mindestens zwei Drittel von den Blättern sind für den Müll! So ist es manchmal.

Samstag, 20. Februar 2010

Samstag, 20. Februar


Heute bin ich fit und frisch und freue mich auf die Besucher. Zuerst mache ich mich über meine quadratische Leinwand her und schaffe in kürzester Zeit die angefangene Schicht zu komplettieren. Aber Besucher kommen keine. Ein kleines Grüppchen männlicher Jugendlicher steht ganz nah am Fenster und schaut herein. Es ist komisch, sie sind nur ungefähr 50 cm von meinem linken Ohr entfernt, da ich die Ecke vom Bild fertig male bin ich so nah am Schaufenster. Die Jungs lachen, da kommt ihr Bus und schon sind sie weg. Schließlich tauchen doch noch zwei bekannte Gesichter auf, die mir Fotos für mein Objekt bringen. Ich freue mich. Ein Stück Binnenwasser und Grün ist auf dem einen Foto, auf dem anderen ist ein Sandobjekt zu sehen. Jetzt habe ich circa 30 Stück hängen und ich hoffe, dass noch mehr kommen. So ist es etwas leer! Die Themen der schon hängenden Fotos sind ganz unterschiedlich: von der Bananenstaude, einem regionalen Weinberg, einem Vorgartenviereck vor der Garage, einem krabbelnden Kleinkind im Gras, über einem Schattenriss im Sand, zu einem Selbstportrait einer jungen Frau, deren Gesicht so bearbeitet ist, dass Hals und Ohr schon ins Pflanzliche wechseln. Sehr interessant! Auf meiner Arbeitsfläche liegen noch 4 Bilder, die ich digital bekommen habe und jetzt im ausgedruckten Zustand nur noch zuschneiden muss. Auf einem von den vier Fotos ist ein Hausschwein zu sehen. Es ist komisch, dass die Tierwelt etwas unterrepräsentiert ist. Wahrscheinlich kommt das aber daher, dass der Mensch unserer Zeit wenig Beziehung zu Tieren hat. Das Projekt finde ich aber trotz allem noch spannend. Jeder denkt anders, sieht anders und selbst auf den Laienfotos kann man das sehen. Ich wollte subjektive Natureindrücke und ich denke, das ist gelungen. Ich bin gespannt, was noch alles kommt!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Donnerstag - Nachmittagsschicht


Nachmittags ist einfach nicht meine Zeit! Sonst arbeite ich morgens. Als ich den roten Leiterwagen aus dem Raum nach draußen rolle spüre ich nur Müdigkeit. "Jetzt malen, wird mir schwer fallen", denke ich. Zuerst trinke ich in Ruhe meinen Kaffee. Danach stehe ich vor der Staffelei. Es kommt die erste Besucherin. Sie schaut und fragt und tritt näher. Ich mische meine nächste Farbschicht und antworte. Ich fange an zu arbeiten und sie schaut zu. Als sie geht, öffnet sich 5 Minuten später schon wieder die Tür. Eine ältere Dame im Lodenmantel schaut sich neugierig um. Sie lebt ein paar Straßen weiter im Seniorenzentrum. Dass sie sehr kunstinteressiert ist, merke ich an ihren Fragen. Sie ist älter als alle meine vorherigen Besucher, aber mit ihr habe ich das bis jetzt intensivste Gespräch. Wir sind schnell bei existenziellen Themen und beide sind wir so sehr ins Gespräch vertieft, dass wir die nächste Besucherin fast nicht wahrnehmen. Es ist eine Freundin und wenig später sitzen die zwei auf der Fensterbank und ich male. Ich höre ihnen beim Gespräch zu und arbeite weiter. Später habe ich noch ein paar andere Besucher, alle sind sie sehr präsent, nett und interessiert. Trotz meiner Müdigkeit vorher, bin auch ich angesteckt und kann diesen Nachmittag stetig arbeiten. Was mir zur Zeit grundlegend fehlt, ist die Möglichkeit einfach kurz auf die Arbeit zu sehen. Wenn ich zuhause arbeite stehe ich oft schon nach dem Aufstehen, und auch zu anderen Tageszeiten, kurz vor der Leinwand und schaue nur. Dieses kurze Schauen und wieder weggehen ermöglicht eine andere Reflektion, ein tieferes Eintauchen und Verweben mit der Arbeit. Wenn ich aus Winnenden weggehe, habe ich erst wieder am nächsten Öffnungstag die Möglichkeit zu sehen und zu reflektieren - mal sehen was das für meine Arbeit bedeutet!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Mittwoch, 17.2.2010


Viele Fotos habe ich heute mitgebracht. Sie sind alle per Mail gekommen. Zuerst schneide ich sie zu, einige Passanten stehen am Fenster und schauen auf meinen Arbeitstisch. Anschließend tüte ich sie ein. Stecke Draht durch und lege sie mir für später auf die Seite. Als ich schließlich vor der Staffelei stehe, betritt ein Besucher den Raum. Er strahlt, als ob er mich kennt. "Ich habe sie in der Zeitung gesehen", sagt er. Ich nicke, am Samstag kam ein Artikel in der Winnender Zeitung. "Und jetzt hab ich mal schauen wollen, was sie so machen. Sie malen mit Acryl?" Es entwickelt sich ein umständliches Gespräch. Manchmal steht der Besucher zwischen mir und meiner Leinwand, als ob er unbedingt jetzt und dringend wahrgenommen werden wollte. Es ist wie ein Tanz. Ich stehe ich ganz nah an der Malfläche um besser zu sehen und er redet mich von der Seite an. Gehe ich zurück um die Wirkung zu sehen, steht er zwischen meiner Arbeit und mir. Er redet und redet von seinen Maltätigkeiten, seinen Ausstellungsbesuchen und seiner vergeudeten Chance ein großer Künstler zu werden. Erst als ich energisch werde hält er ein bisschen Abstand.
Als er geht kommt die nächste Besucherin, auch sie erzählt wie begabt sie sei. Leider kann sie nicht in ihrer Wohnung malen. Es scheint der Tag der vergeudeten Genies zu sein. So geht die Tür an diesem Tag noch ein paar Mal auf und tatsächlich sind es heute vorwiegend Menschen, die sich auch steckenpferdmäßig mit Malerei beschäftigen. Eine fragt, ob ich den keine Karten von den Arbeiten habe. Bei jeder der Begegnungen schwingt ein bisschen Zorn mit, Zorn auf jede persönlich verpasste Gelegenheit. Auch ein bisschen Wehmut und Neid ist dabei. Neid auf mich, die hier so steht und in der Öffentlichkeit etwas tut, das eigentlich ja eine "Liebhaberei" ist. Dass Kunst ein hartes Stück Arbeit ist. Dass die Arbeit ein Kozept erfordert, und Durchhaltevermögen, das sehen diese Menschen nicht. Es ist nicht nur ein bisschen den Pinsel schwingen. Es ist eine existenzielle Haltung. Aber ich muss gestehen, dass ich schon lange auf diese Besuche gewartet habe. Auch diese Menschen haben interessante Geschichten zu erzählen. Und jetzt fällt mir wieder ein was mein Professor immer gesagt hat: "Die Schule macht dich nicht zum Künstler, es ist das Leben."

Dienstag, 16. Februar 2010

Schnee und Rosenmontag

Heute ist Rosenmontag, aber auf meinem Weg von der S-Bahn zum "Offenen Atelier" sehe ich keine Narren. Nicht mal ein verkleidetes Kind läuft mir über den Weg, nur am Rathaus hängt noch die Fahne der Querköpfe.
Im Atelier ist es schön warm, ich drehe die Heizung ein bisschen runter. Die Sonne scheint trotz Schnee und Kälte hell durchs Fenster. Es ist wenig los, da draußen. Es sind Schulferien. Die Busse kommen und gehen und nur ein paar Menschen steigen ein und aus. Als ich zu malen beginne steht ein junger Mann an der Haltestelle und schaut immer mal wieder durchs Fenster zu mir. Er wartet bestimmt noch 30 Minuten auf seinen Bus, traut sich aber nicht zu mir ins Warme. Als die Tür sich dann doch noch öffnet kommt der alte Bekannte vom ersten Arbeitstag, sagt: " ich habe einen Spruch für Ihr Buch", und trägt sich ganz schnell ein. Eigentlich will er gleich wieder gehen, bleibt aber doch noch ein bisschen und erzählt mir wie meine Bilder von außen auf Winnenden wirken. Das hellgrüne "Blütengraffiti" gefällt ihm und vorallem, die auf den Bus wartenden Menschen, die sich darüber spiegeln.
Später kommt eine Freundin und bringt mir ein Foto einer Rose. Sie ist stolz: "Diese Rose hat in meinem Garten geblüht". Ich stürze mich ins Dunkelblau als sie fort ist und beackere meine Leinwand. Noch zwei Besuchereinnen kommen und gehen. Auf dem Weg zur Bahn um 14 Uhr merke ich wie müde ich bin und denke: "Es hat sich wieder gelohnt".

Sonntag, 14. Februar 2010

Samstag, 13.Februar 2010


Heute betrete ich schon 1 Stunde vor Öffnungszeit das Atelier. Ich muss mich akklimatisieren und Ruhe haben. Immer kann ich nicht aus mir heraus gehen. Ich muss jetzt meine Kreise ziehen.
Die Schritte der Einkäufer ziehen im Hintergrund an den Fenstern vorbei, dazwischen ist immer mal wieder ein lautes unregelmäßiges Trommeln der Stiefel zu hören. Es schneit wieder und vor den Ladenfenstern ist schneefreie Zone, wie geschaffen um den Schnee von den Stiefeln zu schlagen. Ich beginne Farbe zu mischen und als ich so um 11.30 Uhr die Tür aufschließe und meine Hinweisschilder und den Leiterwagen draußen parke, dauert es nicht mehr lange bis die ersten Besucher hereinströmen. Heute sind es Ehepaare und ich bin wieder mal überrascht wie schnell wir in ein intensives Gespräch kommen. Eines der Paare erzählt von seinen Wanderungen, den Naturerlebnissen, den optischen Leckerbissen und den Versuchen, diese auf Fotografien festzuhalten. Als sie gehen versprechen sie ein Foto für meine Installation zu bringen. Ein anderes Paar fragt nach der Malerei und als ich von meinen Schichten spreche fällt mir auf, dass ich nicht nur in Schichten male, sondern dass mein Projekt vom "Offenen Atelier" auch schon so vielschichtig geworden ist. Es ist nicht nur eine Ausstellung, es ist eine Performance, es ist eine Mitmachaktion und es ist tatsächlich so etwas wie ein soziales Projekt. Ich öffne mich, Leute kommen und erzählen über sich. So entstehen Begegnugnsmöglichkeiten und Gespräche bilden Anlass zur Reflektion. Meine Aktion hat auch tatsächlich eine sozialpolitische Dimension bekommen. Wenn ich als Künstlerin nur in meinem engen "Kulturhorizont" bleibe, kann ich nicht mehr wahrnehmen wie es den anderen Menschen tatsächlich geht. Für mich heißt das Ergebnis, dass ich nicht nur durch meine eigene innere Wahrnehmung, sondern auch durch die Wahrnehmung anderer menschlicher Standpunkte wieder neue Impulse bekomme. Für die Menschen, die durch die offene Tür des KunstMobils kommen, hoffe ich es auch.

Freitag, 12. Februar 2010

Donnerstag, 11.2.2010


Im Schneetreiben wandere ich von der S-Bahn zum Rathaus. Dort ist eine Straßensperre, ich höre Faschingsmusik und Narren versperren den Weg. Rathaussturm steht auf einem großen Spruchband, aber keiner spricht mich an, ich gehe vorbei und schließe die Tür zu meinem kurzfristigen Atelier auf. Donnerstags öffne ich meine Tür um 14 Uhr. Ratlos stehe ich wenig später vor meinem gestern begonnen Bild. Jetzt muss die erste Schicht trockenen. Ich kann also nicht weiter arbeiten. Eine kleine Leinwand hole ich heraus, dann eine große, auf der schon eine trockene Untermalung ist. Auch da bin ich ratlos. So ist es manchmal, ich bin blockiert. Draußen steht eine Versammlung Rentner, sie unterhalten sich laut, wahrscheinlich haben sie alle ein Hörgerät. Einer schaut herein, zieht sich aber erschrocken zurück. Ich kann ihn nicht bewegen herein zu kommen.
Busse kommen, Busse fahren ab. Jetzt ist nur noch Schneetreiben und die Männer in den orangenen Westen räumen die Bushaltestelle.

Ein junges Mädchen steht am Fenster, sie sieht ein bisschen verloren aus. Während ich die Fotos eintüte lächle ich sie an. Sie geht weiter. Dann kommt sie überraschend zurück und tritt ein. Sie redet, stellt sich vor, fragt was ich hier mache und ich erfahre, dass sie Gastschülerin aus der Tschechischen Republik ist. Während ich am schaukelnden Drahtobjekt die Fotografien anbringe erzählt sie viel, sie spricht gut Deutsch. Und sie fragt mich aus, nach meiner Ausbildung, nach meinen Themen und vieles mehr. Eine Dame betritt den Raum. Sie berichtet, dass sie erst aus dem Regenwald gekommen ist. Sie meint, dass ich auch schon dort war, da meine Blätterformen, meine Farben und Linien ihr so bekannt vorkommen. Jetzt hat sie aber nur wenig Zeit und verspricht im Gehen, dass sie wiederkommt. Meine junge Gesprächpartnerin bleibt bis zum Schluss, sie erzählt von Prag, von ihrer Zeit dort, von ihrer Zeit hier und den Schülern hier. Sie meint, dass sie viel lockerer ist als ihre deutschen Mitschüler. "Wir Tschechen machen einen Witz, wenn es ein Problem gibt, sagt sie. Die Deutschen machen eine Sitzung."
Besuchen Sie mich! Meine Öffnungszeiten: Montag und Mittwoch 10 - 14 Uhr, Donnerstag 14 - 18 Uhr und Samstag 12-14 Uhr

Mittwoch, 10. Februar 2010

Mein erster Arbeitstag







Als ich meinen Plakatständer vor die Tür stelle steht ein junger Mann frierend mit einem Kaffeebecher in der Hand vor dem Schaufenster und betrachtet meinen "Blätterrhythmus". Während ich den roten Leiterwagen neben die Plakate rolle frage ich: Möchten Sie herein kommen? Er nickt.
Das ist mein erster Betrachter und er traut sich auch mich anzusprechen. Nach 10 Minuten muss er zum Bus.
Nun stehe ich im Glaskasten, habe mein frisch gemischtes Orange in der linken Hand und meinen Pinsel in der rechten Hand. Ein Passant schaut unauffällig herein. Vor mir steht die Leinwand mit der blauen Untermalung. Jetzt kommt ein Bus, es steigen Menschen ein und Viele aus. Heute ist Krämermarkt in Winnenden. Meine Handschuhe habe ich vergessen, ich male nie ohne.
Die Tür geht auf, ein Passant kommt herein, ich begrüße ihn. Er schaut aufmerksam und lange auf meine Bilder. Inzwischen habe ich meine Handschuhe entdeckt. Ich habe sie gerade in der Hand und möchte sie über streifen, als der Besucher ein Gespräch mit mir beginnt. Er erzählt aus seinem Leben, er ist arbeitslos. Gerne hätte er wieder Arbeit, aber niemand will ihn, da er über 40 Jahre alt ist. Es ist interessant sich mit ihm zu unterhalten. Wir reden über die Arbeitslosigkeit, über die Bildungspolitik, über das Leben und über mein Thema, die Natur.
Ich ziehe einfach meine Handschuhe an und beginne meine Leinwand zu bearbeiten und er redet weiter. Ich bin erstaunt, es stört mich kein bisschen. Als er nach ca. einer halben Stunde den Raum verlässt lade ich ihn ein doch mal wieder zu kommen. Und ich arbeite weiter. Die Tür geht wieder auf. Jetzt ist es die Fotografin vom Waiblinger Zeitungsverlag. Sie gibt knappe Anweisungen, zeigt mir das Ergebnis und schon ist sie wieder aus der Tür. So geht das weiter. Es kommen noch 2 Besucherinnen und die Journalistin, dazwischen arbeite ich weiter. Die letzten 2 Stunden sind ruhig, nur die Passanten schauen direkt oder schauen diskret. Schüler steigen lärmend aus Bussen. Kinder schreien. Ein Polizeiauto fährt vor. Und ich bin mitten drin. So habe ich mir das vorgestellt!
Oben habe ich ein Foto, das das Drahtobjekt zeigt, wie es nur mit 3 Fotos bestückt aussieht. Darüber sind die eingereichten Fotos zu sehen. Je mehr Fotos am Objekt hängen werden, desto sichtbarer wird das Objekt werden.

Dienstag, 9. Februar 2010

Start ins Offene Atelier - KunstMobil




Endlich, nach Transport, Raumaufteilung, Hängung der Bilder, Boden-Abkleberei (für den Arbeitsbereich) bereit für Gäste.
Und sie kamen die Gäste! Zwar nicht so zahlreich wie ich mir es vorgestellt hatt, aber dafür war jeder Einzelne von ihnen herzlich willkommen.
Um in mein Thema "Pflanzliche Chiffren" oder "Was ist Natur" einzuführen, versuchte ich meine Gedanken darzulegen. Für mich als bildende Künstlerin ist so etwas nicht gerade einfach! Hier ein kleiner Einblick in einen Teil meines Manuskripts:
Eine bildende Künstlerin ist eine Suchende, sie zeichnet, sie malt, sie konzipiert und verwirft wieder. Sie baut Objekte, bringt aufs Blatt, aufs Papier, sie sägt, sie schraubt, sie experimentiert. (Das gilt natürlich auch für alle männlichen Kollegen, aber ich spreche hier von mir.) Immer suche ich nach dem passenden bildnerischen Ausdruck um ihn dann zu gestalten. Das ist mein Antrieb, mein Motor.- Worte dafür zu finden ist schwer! Trotzdem versuche ich es, ich versuche zu erzählen was mich zurzeit umtreibt. Und zurzeit ist es als allererstes die Frage: Was ist Natur? Was ist dieser Begriff genau? Was ist die Plfanzenwelt? Man ist so daran gewöhnt, sie umgibt uns ja ständig. Aber zu definieren was Natur wirklich ist, das ist sehr schwierig. Ist es Wildnis, ist es Garten? Ist es die Tatsache, dass alles wächst? Ist es die Ganzheit des Planeten Erde oder das ganze Universum? Oder zeigt sich Natur erst durch wissenschaftliche Experimente?
Diese Fragen stellte ich mit meiner hängenden Installation aus Blumendraht. Dieses Objekt ist ca.230 cm hoch und 90 cm breit. An diese Installation hänge ich Fotos zum Thema Mensch und Natur. Alle interessierten Menschen sind aufgerufen ein selbstgemachtes Foto im Format von 9X13 bei mir abzugeben. Auf die Rückseite der Fotos schreibe ich die Namen, da klar werden soll, dass dies subjektive und eigene Fotos der Einzelnen sind. Nachdem die Fotos in eine durchsichtige Plastikhülle gesteckt werden, werden sie an das Objekt gedrahtet. So habe ich am Ende viele einzelne Antworten auf meine Frage nach der Natur. Als Arbeitstitel habe ich "Mensch und Natur" gewählt. Einfach damit die Leute, die Lust haben etwas zu bringen noch mehr ihre persönliche Einstellung zeigen können.