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Spätestens nach dem 2. Besucher ist klar, dass heute noch einmal eine Ankündigung in der Zeitung ist. Besucher kommen heute nochmal ganz neugierig herein. Ich drahte die letzten digital hereingekommenen Fotos an das Objekt und rede viel. Mehr mache ich heute eigentlich nicht mehr. Als ich dann die Tür abschließe lege ich noch meine erarbeiteten Collagen aus, verteile die Staffeleien mit den neuen Arbeiten, die keine Hängemöglichkeit mehr haben und befestige 3 Pinselzeichnungen. Fertig! - ich bin gespannt auf heute Abend. 18 Uhr bin ich dann wieder da, Frau Koch vom Café Olga aus Grunbach bringt Getränke und Salzkuchen, sie berichtet von glatten Straßen. Es schneit. Es kommen Besucher, aber weniger als ich dachte. Nach dem Hinweis der in der Winnender Zeitung war und den Zusagen von etlichen Besuchern und Bekannten ist das schade. Bevor wir beginnen drehe ich noch die 3 Bilder, die nach außen hängen, nach innen. Jetzt zeigt alles auf die Finissagengesellschaft. Nach Gitarrenmusik von meinem Bruder spricht Krisztina Jütten M.A. über meine Zeit hier im Offenen Atelier und hauptsächlich über das Objekt mit den Fotos der Besucher und von anderen interessierten Menschen. Sie macht das ganz locker und manchmal werfe ich etwas von meinen Erlebnissen dazwischen. Am Ende ist klar, dass es mir schwerfällt von hier weg zu ziehen .Als ich am Sonntagmorgen meine Bilder wieder ins große Auto packe, die Pinsel und Farben verstaue bin ich etwas traurig. Es war ein schönes Projekt und ich habe wieder viel Erfahrungen gesammelt. Dabei denke ich auch liebevoll an meine Besucher und möchte allen herzliche danken, dass sie offen für mich, meine Kunst und für ein Gespräch
waren.--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------!! Mein Projekt "Natur", das auf der Suche nach Aussagen über die Natur ist lasse ich noch bis 9.7.2010 laufen. Dabei freue ich mich über Fotos digital zum Thema Natur und Mensch/Natur. Es müssen keine künstlerisch wertvollen Bilder sein. Ich freue mich über Fotos mit ganz persönlichen Aussagen. Diese befestige ich dann an einem Drahtobjekt. Alles weitere auf meiner Homepage www.conny-lang.de
Viele Gespräche habe ich im KunstMobil. Jeden Tag schauen andere Menschen herein und nicht immer ist diese Unterbrechung oder Begleitung zur Künstlerischen Arbeit hilfreich. Manchmal sind die Gespräche so intensiv, dass ich nichts malen kann. Aber dieses Projekt habe ich eben auch deswegen gemacht um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. Über das Gespräch zu meiner Arbeit sind viele meiner Besucher mit mir schnell zum Thema Kreativität gelangt. Scheinbar ist die Frage nach der Kreativität ein Punkt von Interesse. Das schöpferische Gestalten schafft für Menschen, die streng in die Arbeitswelt integriert sind Freiräume. Freiräume, die sie sonst nicht so selbstbestimmt gestalten könnten. Für mich ist das anderes, ich habe zwar auch viele schöpferische Freiräume, aber für mich ist dies die Arbeit, der Alltag. Es hat sich sogar geradezu zum Lebensstil entwickelt. Eine Besucherin bringt zum Beispiel den Gedanken mit, dass Kreativität nicht nur in gestalterischen Arbeitswelten gebraucht wird, sondern dass diese Kraft auch für viele andere Bereiche der Gesellschaft belebend wirken könne. Ein anderer Besucher fragt, wie man denn loslassen könne um an die Kraft der Kreativität zukommen. Das Thema Natur ist natürlich auch ein Gesprächspunkt, der durch meine Installation zu der Frage "Was ist Natur?" angestoßen wird. Fotos werden gebracht und es wird erzählt, was da so wichtig ist. Ich stelle fest, dass viele Fotos von Urlaubserlebnissen sind und ich frage mich, ob wir denn hier an unserem Lebensort keine schönen Naturerfahrungen haben. Dann frage ich mich zwangsläufig: "Warum schöne Naturerfahrungen?" Natur ist nicht immer wunderschön und harmonisch, das sind menschliche Wertungen. Ein Freund schreibt mir als Kommentar in einer E-Mail zu meinem Thema: .....die Natur können wir nicht bezwingen, denn wir sind auch nur ein Teil von Ihr, und wenn wir mal nicht mehr auf den Kontinentalplatten hin- und herfliegen könne, dann presst sie uns in eine ganz kleine Gesteinsschicht, die dann unter all dem Gewusel auf der Oberfläche vor sich hin wartet bis sie wieder eingeschmolzen wir..."
Heute läuft nichts im Kunstmobil: mein Kopf tut weh und keine Tablette dabei. Um den Pinsel in die Hand zu nehmen muss ich mich richtig zusammen reißen. Nach 45 Minuten kommt eine Passantin, aber bald ist sie auch schon wieder draußen. Ob ich auch so nach außen wirke, wie ich mich fühle? Es hell draußen und viele Menschen bewegen sich von rechts nach links und von links nach rechts vor dem Schaufenster. Tatsächlich schaffe ich doch noch die begonnene Arbeit an dem neuen Bild weiter zu führen. Die Luft im Raum ist so stickig, ich öffne die Tür und lasse frische Luft herein.
Ein Passant lächelt mir zu - vielleicht kommen morgen mehr Besucher?
Meine letzte Woche in Winnenden hat begonnen. Schade, dabei habe ich mich schon so an die Situation und an diesen Raum gewöhnt. Er ist hell und lebendig und ich habe bis jetzt viele Impulse bekommen. Die Passanten haben sich daran gewöhnt, dass ich in dem Raum arbeite und viele scheuen sich nicht herein zu kommen und mit mir zu reden. So habe ich heute gleich nach 10 Minuten den ersten netten Besucher und das erste Gespräch. Während ich an meiner Leinwand arbeite kommen auch schon die nächsten Interessierten und so geht es weiter bis 14 Uhr. Einer fragt mich, warum ich "Banköffnungszeiten" habe. Ich erkläre ihm, dass ich meist schon um 9.30 Uhr da bin und nachmittags einfach nicht mehr kann. Schließlich ist meine Konzentration durch die Öffnung nach draußen und zu den Menschen nicht so ausdauernd, wie zuhause im ungestörten Atelier. Im Moment liebe ich die Öffnung nach außen und den Kontakt zu den interessierten Besuchern, aber immer wäre das sehr anstrengend und ich würde auch nicht so bewusst und voll konzentriert arbeiten können. Zum Beispiel die Pinselzeichnung: diese Art der Zeichnung erfordert höchste Konzentration und Aufmerksamkeit. An meinem roten Tisch, direkt am Schaufenster habe ich es schon probiert, aber viele Zeichnungen sind nicht geglückt, da ich doch auch durch die Passanten abgelenkt werde. Eine Pinselzeichnung erfordert eine Art von Meditation und höchste Konzentration, sonst wird sie nichts. Ein Strich, unbedacht und ich kann das Blatt Papier wegwerfen.