
Nachmittags ist einfach nicht meine Zeit! Sonst arbeite ich morgens. Als ich den roten Leiterwagen aus dem Raum nach draußen rolle spüre ich nur Müdigkeit. "Jetzt malen, wird mir schwer fallen", denke ich. Zuerst trinke ich in Ruhe meinen Kaffee. Danach stehe ich vor der Staffelei. Es kommt die erste Besucherin. Sie schaut und fragt und tritt näher. Ich mische meine nächste Farbschicht und antworte. Ich fange an zu arbeiten und sie schaut zu. Als sie geht, öffnet sich 5 Minuten später schon wieder die Tür. Eine ältere Dame im Lodenmantel schaut sich neugierig um. Sie lebt ein paar Straßen weiter im Seniorenzentrum. Dass sie sehr kunstinteressiert ist, merke ich an ihren Fragen. Sie ist älter als alle meine vorherigen Besucher, aber mit ihr habe ich das bis jetzt intensivste Gespräch. Wir sind schnell bei existenziellen Themen und beide sind wir so sehr ins Gespräch vertieft, dass wir die nächste Besucherin fast nicht wahrnehmen. Es ist eine Freundin und wenig später sitzen die zwei auf der Fensterbank und ich male. Ich höre ihnen beim Gespräch zu und arbeite weiter. Später habe ich noch ein paar andere Besucher, alle sind sie sehr präsent, nett und interessiert. Trotz meiner Müdigkeit vorher, bin auch ich angesteckt und kann diesen Nachmittag stetig arbeiten. Was mir zur Zeit grundlegend fehlt, ist die Möglichkeit einfach kurz auf die Arbeit zu sehen. Wenn ich zuhause arbeite stehe ich oft schon nach dem Aufstehen, und auch zu anderen Tageszeiten, kurz vor der Leinwand und schaue nur. Dieses kurze Schauen und wieder weggehen ermöglicht eine andere Reflektion, ein tieferes Eintauchen und Verweben mit der Arbeit. Wenn ich aus Winnenden weggehe, habe ich erst wieder am nächsten Öffnungstag die Möglichkeit zu sehen und zu reflektieren - mal sehen was das für meine Arbeit bedeutet!

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